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Polarkreis - Wenn die Nordlichter dein Herz berühren

Auf meiner Reise ins nördliche Lappland von Schweden, bin ich vielen Reisenden begegnet, aus allen möglichen Ländern der Welt. Wir alle folgten gemeinsam einem Traum – einmal Nordlichter erleben.

Einmal die vielen Farben am Himmel sehen und einmal die Mystik erleben, die sich mit dem Tanz der bunten Wellen ausbreitet.

Eine Reise in den Polarkreis ist wahrhaftig eine mystische Reise, um mit eigenen Sinnen zu erleben, was seit Jahrtausenden eine faszinierende Wirkung auf die Menschen ausübt.

In meinem kleinen Reisebericht erzähle ich dir, wie ich die Nordlichter gefunden und erlebt habe und wie sich mein Sein und mein Körper innerhalb einer Woche im Polarkreis veränderten.

 

Öko-Slowtravel

Eines stand von Beginn an fest: Ich wollte mit dem Zug in den Norden reisen. Ich wollte sehen, wie sich die Landschaft verändert und spüren, wie es langsam kälter wurde. Also buchte ich mir einen Bus von Bremen nach Kopenhagen, von dort ging es weiter mit dem Schnellzug nach Stockholm, wo ich abends in den Nachtzug nach Kiruna, einer kleinen Minenstadt 250km über der Polarkreisgrenze, stieg.

Eineinhalb Tage verbrachte ich in Bussen und Zügen und verzichtete auf zwei Nächte erholsamen Schlaf. Aber das war es wert. Die Reise von Stockholm in den Norden Schwedens ist eine Reise in die Wildnis.

Schon bald nach der Abfahrt in Stockholm dichtet sich der Wald, Schnee taucht auf und wenige Stunden später zieht eine wilde Landschaft aus kahlen Birken, Kiefern und meterhohem Schnee an mir vorbei. Frühmorgens komme ich in Jällivare im Polarkreis an. Am eisigen Bahnsteig wartet bei -9 Grad der Anschlussbus nach Kiruna und schon kurz darauf fahren wir vereiste Landstraßen, bei denen eine Fahrbahnmarkierung unter dem vielen Schnee nur noch zu erahnen ist, der kleinen Arbeiterstadt Kiruna entgegen. Hier soll meine Basis sein, von der ich die Umgebung erkunde und Ausflüge in den nördlichen Abisko-Nationalpark unternehmen kann. Abisko ist ein touristisches Highlight, da hier, durch die Einkesselung der Berge, besonders gute Wetterkonditionen für Nordlichter bestehen. Hier bietet die Aurora-Skystation, eine Beobachtungsstation in den Bergen, das Erleben der Lichter auf wolkenfreien Höhen an.

Eine Woche – sanfte innere Ausrichtung

Als ich in Kiruna ankomme, bin ich ganz schön müde. Nicht nur von der Reise, auch von der vielen Arbeit, die mir in den Wochen davor einigen Schlaf geraubt hat. Mir war klar: Ich fahre in den Polarkreis, um mich mal richtig aufzufrischen und durchpusten zu lassen. Aber wie sich dieser Teil der Erde, diese Energien von Pachamama und Mama Aurora, tatsächlich auf mich auswirken würden, wusste ich vorher nicht. Und vor allem die große Frage: Würde ich wirklich Nordlichter sehen?

Drei Tage befinde ich mich im kältesten Schneesturm, den ich je erlebt habe. Mit meiner Mütze, dem Schal und der Kapuze versuche ich mich vor den eisigen Winden zu schützen. Der feine Schnee weht in mein Gesicht und trifft auf meine Haut wie tausend Stecknadeln. Aber alles halb so schlimm, ich bin nicht in der Wildnis verloren, sondern nur auf dem Weg zum Supermarkt, ein paar Nudeln kaufen. Der Schneesturm ermöglicht mir viel Zeit im Hostel – Sauna, Lesen, Leute kennenlernen und nachsinnen. Einfach mal die Gedanken loslassen, ohne sie ernst zu nehmen, ohne mal wieder irgendeine Situation lösen zu müssen, wie es mir meine Leitungsposition so oft abverlangt.

Am dritten Tag hört der Schneesturm auf. Endlich. Ich besuche ein kleines Dorf mit dem niedlichen Namen Jukkasjärvi, in der Nähe von Kiruna und füttere dort die Rentiere der Samen mit Moos aus einer Papiertüte, die liebevoll mit den Worten „Reindeer-Candy“ beschriftet wurde. Einfach wunderbar dieses Dorf am zugefrorenen Fluss. Meine Seele wird so langsam wachgeküsst vom Glitzern des Schnees, in den ich, beim Versuch bis zum Fluss zu gelangen, ohne Schneeschuhe, bis zur Hüfte einsinke.

Die kalte Luft glättet mein Gesicht und damit meine Sorgen und Gedanken - kostenlose „Frostbehandlung“ von Mutter Natur. Meine innere Hitze, die durch die heftige, hinter mir liegende Arbeitszeit, in mir entstanden ist, kühlt endlich runter. Was für eine Erleichterung. Ja, das ist es, leicht wird es in mir. Mein Körper richtet sich neu aus. Er ist sehr damit beschäftigt all die Einflüsse der rauen Natur zu integrieren, mit der Kälte umzugehen, die teilweise bis -19 Grad sinkt, den Wind zu verarbeiten und die Kraft für das schwere Gehen im Schnee und mit dicker Polarkleidung aufzubringen. Auch mein Mikrobiom richtet sich neu aus, spürbar an meiner Verdauung. Das mag nicht unbedingt am vielen Knäckebrot liegen, aber an den anderen Mikroben, die sich hier in der Natur befinden, und mit denen ich mich täglich mehrere Stunden umgebe. Ich war lange nicht mehr so viel im Schnee. Aber vor allem geschieht hier etwas, dass ganz woanders nicht möglich ist. Es ist ein ganz besonderer Einfluss der Erde auf mich – das starke Magnetfeld des Nordpols.

Polarkreis-Medizin

Von den Paqos weiß ich, dass die allgemeine Wechselwirkung mit der Welt der lebendigen Energien überall existiert. Es ist das Gesetz des Austausches, Ayni, das uns mit allem, was uns umgibt in eine Verbindung bringt. Kurz um bedeutet das: Verbringe viel Zeit in der Natur und du wirst umso natürlicher.

Noch konkreter: Verbringe eine Weile am stärksten Magnetpol der Erde und dein „innerer Magnetkern“, dein Zentrum, deine Seele, wird gestärkt. Es fühlt sich an, als würden meine Elektronen in der Energieflussrichtung der Erde angeordnet. Wie eine Kompassnadel hat sich mein Körper über mehrere Tage auf den Nordpol eingependelt. Alles, was zu mir gehört, wird von meinem inneren Magneten angezogen. Es sind die Gefühle der Geborgenheit, des Selbstwertes, der Intuition, des Vertrauens und der bedingungslosen Selbstliebe, die in meinem Solarplexus erwachen.

Das spüre ich ganz deutlich und bin dankbar für diese Gefühle zu mir.

Das Magnetfeld im Norden ist so stark, da wundert es mich nicht, dass überall hier oben die größten Eisenerz- und Kupfervorkommen in der Erde verborgen liegen. Hier in Kiruna ist eine der größten Eisenerz- und Kupferminen der Welt. Ganz Europa wird mit Eisen aus Kiruna beliefert. Gleich mehrere Städte werden hier bis 2040 umgesiedelt, um weitere Erdspeicher freizugeben.

Das Eisen in der Erde ist wertvoll. Nicht nur für die Industrie, nein, Pachamama hat an jedem Ort eine ganz besondere Medizin für uns. Wir müssen nichts tun, außer uns in ihre Arme zu begeben und sie hineinzulassen. Ich bete in den Tagen ein paar Gaben – ein K´intu hier im Schnee, ein K´intu für den Wind. Kein großer Aufwand ist nötig und auch nicht möglich. Es gibt hier weder Blumen für Despachos, noch erlauben die Temperaturen das Ausziehen der Handschuhe für ein Gebetsmandala im Freien. Die Öffnung für die Natur geschieht einfach aus meinem Herzen heraus.

Nordlichter in meinem Herzen

Dann ist es soweit. Der Schneesturm in Abisko verzieht sich und die Aurora-Vorhersage zeigt uns einen KP2-Wert. Gute Bedingungen für die Nordlichter. Ich ziehe mir warme Kleidung an, schnappe mir meine Kamera-Ausrüstung und meine Mesa und wandere mit ein paar anderen Reisenden aus dem Dorf heraus in die Wildnis und warte …

 

Eine Stunde nichts. Immer wieder überprüft unsere Gruppe die Live-Kamera der Skystation auf dem Smartphone. Wenn dort Lichter zu sehen sind, dann folgen sie in Kürze auch bei uns. Wir frieren und entscheiden uns zurück zu kehren, um uns aufzuwärmen. Plötzlich brüllt hinter mir Ruben aus Portugal: „WAAAATCH UUUUP!“. Mein Gesichtsfeld ist durch die Kapuze sehr eingeschränkt und ich drehe mich in alle Richtungen, dann schaue ich hoch und da sehe ich sie, Mama Aurora. Ein breiter Streifen aus hellem Grün breitet sich wie eine Autobahn über uns aus. Sie fährt über den Himmel und beginnt sich am Horizont zu drehen und zu winden. Ich werfe mich in den Schnee, liege auf meinem Rücken und starre in dieses unglaubliche, satte grüne Licht über mir. Die Partikel der Aurora sind um einiges filigraner als Wolken. Sie sind einfach Licht. Tayta Inti, Vater Sonne, sendet hier seinen Gruß zur Erde. Ich kreische vor Freude und juble immer wieder laut los. Das Licht ist überwältigend schön und ich werde in den Bann der Nordlichter gezogen. Es verändert sich, tanzt, verschwindet, taucht an anderer Stelle wieder auf, zieht Wellen und verziert dann den gesamten Himmel mit grünen Bögen. Vier Stunden harren wir in der Kälte aus. Keiner von uns will zum Hostel zurückkehren. Erst als die Wolken den kompletten Himmel zuziehen, gehen wir ins Bett. Unsere Wangen sind rot vom eisigen Wind und ein zufriedenes Lächeln untermalt das Leuchten in unseren Augen.

 

Dreimal insgesamt sehe ich Mama Aurora auf meiner Reise. Und ich spüre sie an den Tagen danach. Sie ist in mein Herz geströmt, hat mich berührt und tiefe Zufriedenheit hinterlassen. Ein lang ersehnter Traum findet hier seine Erfüllung und mehr noch. Das Licht der Sonne ist in einer unglaublichen Intensität in unsere Herzen geflossen und irgendwie auch heimgekehrt. Das Licht der Sonne führt uns in die Vereinigung von Körper und Seele, sagen die Paqos. Inti ist die Brücke zu uns selbst.

Diese elektrisch geladenen Plasmateile der Sonnenneruptionen werden von den starken Polen der Erde angezogen. Sie werden in die Pole hineingesogen und prallen hier auf Sauerstoff- und Stickstoffatome. Bei der Verrückung der Elektronen im Atom entsteht dann das farbige Licht in der Erdatmosphäre. Eine Liebesexplosion zwischen Inti und Pachamama.

Und nur weil wir die Lichter am Himmel sehen, heißt dies nicht, dass die Energie des Zusammenpralls und der Entladung nicht bis auf die Erde, zu uns, reicht. Natürlich strahlt sie weiter. Sie durchflutet unseren Körper und öffnet unser Herz. Und vielleicht reagiert sie auch mit unseren Sauerstoff- und Stickstoffatomen, und bringt auch uns zum Leuchten. Sie ist so stark, dass einige Bewohner des Polarkreises die Aurora sogar hören können. „Sie klingt wie ein sanftes knistern, ähnlich einer Starkstromleitung, nur feiner“, sagen sie. Sie hören die Elektronen der Sonne in der Luft und wissen: Heute kommt Mama Aurora und schenkt uns ihren Segen.

 

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Ich gehe seit 2010 den Weg einer Pampa Mesayok.

Das ist Quechua und bezeichnet in der Andentradition einen Menschen, der mit den Kräften der Natur arbeitet.

Auf diesem Weg geht es darum, durch das Erkennen und Fühlen der Schönheit der Natur, die eigene innere wahre Natur wieder zu spüren und das Leben und den Alltag in dieser Gnade zu meistern. Mit jedem Berg, mit jedem Fluss, zu dem wir sprechen, sprechen wir zu den Bergen und Flüssen in uns.

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